Bienenwachs von: G. Bodenstab

Eine Vielzahl von Blüten sind notwendig für das Überleben der Bienen

Bekanntlich produzieren unsere Bienen auch Wachs. Wenn bei den Jungbienen sich die Funktion der Futtersaftdrüsen vermindert, treten die Wachsdrüsen stark in Tätigkeit.
Die Ammenbiene wird zur Baubiene. In der Regel ist dieses vom 12. bis 18 Tag. Aber durch Fütterung und Wärme können auch ältere Bienen wieder zur Bautätigkeit veranlaßt werden. Zwischen den letzten vier Bauchschuppen der Bienen sind Wachsdrüsen und das Wachs tritt in Form von kleinen Schuppen hier aus. Das Wachs wird von den Bienen zum Bau und zur Verdeckelung von Brut- und Honigzellen benutzt. Die Bienen bearbeiten die Plättchen mit ihren andibeln und formen damit die Zellen. Zwischen dem Kopf und dem Thorax haben Bienen feine Borsten, die als astorgane ausgebildet sind. Dieses sind die Schweresinnorgane und die Bienen sind hierdurch in der Lage im dunklen Bienenstock die sechseckigen Zellen gleichmäßig zu bauen. Die Richtung des Wabenbaus ist meistens von dem Menschen vorgegeben, andernfalls orientieren sich die Bienen nach dem Erdmagnetfeld.
Wir wissen, daß die sechseckige Form die optimale Form ist. Es bleiben keine ungenutzten Zwischenräume. Das wäre bei drei- und viereckigen zwar auch möglich, aber Sechsecke haben den kleinsten Umfang und erfordern daher bei gleichem Fassungsvermögen am wenigsten Baumaterial. Eine Wabe kann bis zu 2 kg Honig aufnehmen und die Bienen benötigen hierfür nur 40 g Wachs. Die Zellwände sind nur 1/10 Millimeter dick. Ein Carnicavolk kann im Jahr ca. 1kg Wachs produzieren.

Bienenwachs ist im kalten Zustand eine brechende, spröde hellgelbe Masse. Der Geruch ist honigartig. Älteres oder mehrmals umgeschmolzenes Wachs verliert seinen Geruch und Geschmack. Wachs löst sich nicht im kalten Wasser. Es löst sich nur teilweise im Alkohol. Eine Lösung ist nur im Benzin, in Äther, Chloroform und Benzol möglich. Beispielsweise enthalten geschmolzene Waben in ihrem Rückstand (Trester) auch nach dem Pressen noch 10-20% Wachs. Bei der kommerziellen Verwertung wird dieses noch mit Lösungsmitteln dem Trester entzogen.

Wachs setzt sich aus Myricin, Cerin, Paraffine, Mellissinsäure, Ester und Wachsalkohole zusammen. Der Schmelzpunkt liegt bei 64-65 Grad C.

Das Wachs spielte immer in Form von Kerzen eine große Rolle. Die Sumerer gossen Wachs auf Schreibtafeln, wodurch diese mehrfach beschreibbar wurden. Auch beim
Bronzeguß wurde es eingesetzt. Das Wachs hatte früher eine große Bedeutung. Der größte Anteil wird in der Bienenwirtschaft selbst eingesetzt. In den wachsverarbeitenden Wirtschaftszweigen stehen ganz eindeutig Kunstwachse im Vordergrund. Vielfach wird Bienenwachs heute noch in der kosmetischen Industrie für Cremes, Salben, Pasten und Lippenstiften eingesetzt. Bei den Polierwachsen, Skiwachsen, Imprägniermitteln, Lacken und Wachsfarben wird Bienenwachs
kaum noch eingesetzt. Zum Gießen von Modellformen wird es noch benutzt. Kunstwachse sind billiger. Wenn man bedenkt, daß die Bienen für die Produktion von einem kg
Wachs ca. 6 kg Honig verbrauchen, ist eine Diskussion über die Wirtschaftlichkeit überflüssig.

Bienenwachs wird auch in der Batikkunst angewandt. Wie schon erwähnt, kann man aus Bienenwachs Kerzen gießen und ziehen. Mit dem Wachs kann man auch Kerzen verzieren. Bereits in der Antike gab es die Wachsmalerei an Tempelfassaden und Säulen. Auch die Trojanssäule in Rom zeigt Wachsreste. In Pompeji wurden die Wandmalereien mit Wachs überzogen.

Mit der Ausbreitung des Christentums stieg der Bienenwachsbedarf. So verbrauchten Klöster und Kirchen große Wachsmengen. Im 13. bis 16. Jahrhundert bestand die
religiöse Pflicht, Wachskerzen zur Ehre der Heiligen zu spenden. Hier erreichte der Bedarf an Bienenwachs seinen Höhepunkt. Kirchen und Klöster waren zu dieser Zeit auch
große Förderer der Bienenhaltung. Besondere Zeugen der Wachsopfer sind die Votivkerzen. Die älteste befindet sich in der Wallfahrtskirche Bettbrunn bei Ingoldstadt. Dort
sind ca. 150 Kerzen aufbewahrt, darunter die ältesten Kerzen Europas. Die größte Sammlung solcher Votivkerzen ist im Kloster Andechs in Oberbayern in einer Kerzenkammer zu sehen.

Gerade aus dieser Zeit gibt es in den verschiedenen Museen noch viele Arten von Wachspressen wie Knüppel-, Hebel- und Spindelwachspressen. Auch für den Schmelzvorgang haben sich die Menschen eine Vielzahl von Geräten einfallen lassen.

(Autor: Günter Bodenstab)

Dann wird das Wachs durch ein Sieb in den rechten Simmertopf gegossen. Der im Sieb verbleibende Schmutz wird in dem gelben Eimer abgeschlagen.

Im Simmertopf kühlt das Wachs dann wieder bis zu einer Temperatur von 60 bis 70 Grad ab und wird dann in die Mittelwandform gegossen.

Gedicht von Fritz Leisinger

Die Wachskerze

Wachskerze, selbst gegossen die meinen Winter hell: in dich ist eingeflossen die ganze Sommerwelt!

Ich schließe lind die Augen. Der Docht die Säfte zieht: es summt in seinem Saugen der Bienen Flügellied.

Willkommner Traum! Ich liege in Blumen.....blau, gelb, rot. Ich dehn mich wohlig, wiege mich wie in einem Boot.

Erloschen alle Stimmen; die Mittagswelt wie stumm! Nur um und um der Immen einschläferndes Gesumm...

O Traum vom Weitentfernten, von Sonne, Blühn und Lieb! Von allen Sommerernten, was ist noch mein? Was blieb?

Der Honig ward genossen, zertrümmert das Gewab; das Wachs ward eingegossen, die Kerze brennt herab.

Der Fleiß von tausend Flügen zerschmolz, verging in nichts. Der Preis von tausend Flügen: die kleine Spanne Lichts!